Werner Nasahl
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Kapelle in Müncheberg-Schlagenthin  Brandenburg
2025 - 2026

Die Bleiverglasten Elemente stammen aus einer abbruchreifen Hausruine an der Müncheberger Stadtmauer, welche bis ca. 1990 dem Kunstglaser Fritz-Georg Streichert als Werkstatt diente. Als dieser infolge eines wendebedingten Eigentümerwechsel das Haus plötzlich  verlassen musste blieben eine größere Anzahl fertiggestellter, aber nicht durch einen Kunden abgeholter Werke zurück und wurden im Jahr 2023 sichergestellt.
Diese sind
  • Maria mit Kind: großformatiges sakrales Werk, Motiv eingebettet in ein Mosaik aus Rauten und Kreisen in leuchtenden vorwiegend Rot- und Gelbtönen, Breitformat;
  • DDR-Signet mit Hammer und Zirkel, Motiv eingebettet in Rechteckmosaiken, kräftig vielfarbig und sehr prägnant, Hochformat;
  • zwei zusammengehörige rein dekorative Werke aus spitzwinkligen Formen in unterschiedlichen Grüntonen;
  • ein Zwillingswerk aus 2 Elementen bestehend aus einem Rechteckmosaikraster aus weißem Strukturglas, welches in Jugendstilmanier mit 2 hochstämmigen, früchtetragenden Bäumen bemalt und dem Sinnspruch "Der Erwirbt Sich Freiheit Wie Das Leben, Der Täglich Sie Erobern Muss" versehen ist.

Die Schönheit und Wirkung der Elemente entfaltet sich nur in stehender Form, im besten Fall hinterleuchtet . Durch die Weichheit der tragenden Bleistruktur sind diese aber i.d.R. nicht frei aufstellbar, sondern sacken zusammen, was die Mosaiken Spannungen aussetzt und die Gläser brechen lässt. 

So wurde eine Holzskelettstruktur als dreidimensionaler Raum errichtet, welche in Ausfälzungen der rahmenden Balken alle 6 Elemente mittels hölzernen Klemmleisten durch sanften Klemmdruck umlaufend festhält und somit die Eigenlast aufnimmt.

Motiviert durch die beiden Hauptmotive, Maria mit dem Kinde und das DDR-Signet, welche beide ein in ganz unterschiedliche, wenn nicht diametrale Sphären weisendes Heilsversprechen geben und symbolhaft  jeweils für ein Weltbild und eine Epoche stehen, entstand der Entwurf einer Kapelle mit entsprechender Komposition der Elemente:

Ein länglicher Raum der Besinnung, der Ruhe, der Kontemplation, der Transzendenz von der Seite zu betreten. Die gegenüberliegenden Schmalseiten werden durch die Hauptmotive beherrscht:
Zur aufgehenden Sonne hin Maria mit dem Kinde, warm und weltversöhnend im weichen und strahlenden Farbspiel. Sie schenkt einen Überfluss an morgendlichem Licht, ein Wonnebad geborgen im intimem Raum. Weichheit, Überfluss, Trost und Schutz.
Das Gegenüber, Hammer und Zirkel im Ährenkranz, morgens noch verhalten im Schatten dämmernd tritt im Verlauf des Sonnenlaufs allmählich in seiner nüchternen und kühlen, rationalen Klarheit und Schönheit zu Tage. Hier wird ein Zukunftsversprechen ins Bild gerückt das nur das Beste will, nichts dem Zufall überlässt und die irdische Wirklichkeit auf ein Ziel fokussiert. Lebenskampf, Hoffnung, Ordnung und Glaube an den Menschen.

In diesem Spannungsfeld steht dem Besucher frei, in welcher Blickrichtung er - vielleicht in Abhängigkeit vom Sonnenstand - auf einer der  anmontierten Bänke Platz nimmt.

Nach erfolgter Schließung aller Restgefache durch die Künstlerin Folke Köbberling mit Woll-Lehm-Komposit stellen die Glaselemente die einzige Lichtquelle dar und sind somit brillant im Tageslicht erlebbar. Nachts dreht sich infolge einer dämmerungsgesteuerten Innenbeleuchtung die Wirkung um, die Kapelle erscheint der Außenwelt als farbig leuchtende und sprechend illuminierte Laterne.

Profil: Errichtung des Bauwerks aus gefundenem Material, Bodenaushub vor Ort und Wolle der eigenen Schafe.
Baukosten gegen Null

​Fertigung Bleiglaselemente in den Jahren 1988-1991: Fritz-Georg Streichert, Müncheberg
​Herstellung Wand- und Bodenflächen aus Lehm mit Zuschlägen: Folke Köbberling, Berlin
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